Hunde trainieren in einer Hundeschule

Sachkundenachweis für Hunde: In welchen Bundesländern du ihn brauchst

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Sebastian Veröffentlicht am

Als ich von Berlin nach Niedersachsen zog, brauchte ich plötzlich einen Sachkundenachweis für meinen Hund. In Berlin hätte mich niemand danach gefragt. Genau das ist das Problem an diesem Thema: Die Pflicht hängt am Bundesland, und die Regeln unterscheiden sich stärker, als die meisten erwarten.

Ich habe für diesen Artikel die Hundegesetze aller sechzehn Bundesländer durchgesehen. Das Ergebnis in einem Satz: Nur in zwei Ländern braucht wirklich jeder Hundehalter einen Sachkundenachweis. Überall sonst hängt die Pflicht an der Gefährlichkeit des Hundes, an seiner Rasse oder, in einem einzigen Fall, an seiner Größe.

Unten findest du die vollständige Übersicht mit Rechtsgrundlage. Wo ich den Gesetzestext selbst prüfen konnte, ist er verlinkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur Niedersachsen und Bremen verlangen den Nachweis von allen Haltern
  • In NRW hängt die Pflicht an Größe oder Gewicht des Hundes
  • Alle übrigen Länder knüpfen sie an gefährliche Hunde
  • Bremen hat die Pflicht erst zum 1. Juli 2026 eingeführt
  • Der Hundeführerschein der Verbände ist etwas anderes und meist freiwillig

Sachkundenachweis oder Hundeführerschein?

Die beiden Begriffe werden ständig durcheinandergeworfen, meinen aber zwei verschiedene Dinge.

Der Sachkundenachweis ist eine behördliche Angelegenheit. Er steht im Landesrecht, wird von der zuständigen Behörde verlangt und ist dort, wo er gilt, Pflicht. Der Hundeführerschein dagegen ist eine Prüfung, die Verbände wie der VDH, der BHV oder der BVZ anbieten. Ihn macht man freiwillig.

Frau streichelt ihren Hund am Tisch während Sie schreibt. Envato
Vor der Anschaffung lohnt ein Blick ins Hundegesetz des eigenen Bundeslands.

Die Verwirrung entsteht, weil manche Bundesländer Verbandsprüfungen als Sachkundenachweis anerkennen. In Niedersachsen gilt zum Beispiel der BHV-Hundeführerschein der Stufen 1 und 2 als gleichwertig. Wer den schon hat, muss nicht noch einmal antreten. Mehr zum Ablauf und zu den Anbietern steht im Ratgeber zum Hundeführerschein.

In welchen Bundesländern ist der Sachkundenachweis Pflicht?

Diese Übersicht beruht auf den aktuellen Landesgesetzen, Stand Juli 2026. Achte auf die mittlere Spalte, denn dort steckt der eigentliche Unterschied.

BundeslandPflicht fürRechtsgrundlage
Baden-Württemberggefährliche Hunde§ 3 PolVOgH
Bayernkeine SachkundepflichtArt. 37 LStVG
Berlingefährliche Hunde; freiwillig für Leinenbefreiung§ 6, § 19 HundeG
Brandenburggefährliche Hunde§ 7 HundehV
Bremenalle Halter, seit 1. Juli 2026§ 3 BremHundeG
Hamburgkein Sachkundenachweis; freiwillige Gehorsamsprüfung§ 4 HundeG
Hessengefährliche Hunde§ 3, § 6 HundeVO
Mecklenburg-Vorpommerngefährliche Hunde§ 6 HundehVO M-V
Niedersachsenalle Halter, seit 1. Juli 2013§ 3 NHundG
Nordrhein-Westfalengefährliche Hunde, Listenrassen und große Hunde§ 6, § 10, § 11 LHundG
Rheinland-Pfalzgefährliche Hunde§ 3 LHundG
Saarlandgefährliche Hunde§ 4 HuV SL
Sachsengefährliche Hunde§ 5, § 8 GefHundG
Sachsen-Anhalteinzelfallfestgestellte Hunde§ 9 HundeG LSA
Schleswig-Holsteineingestufte Hunde; freiwillig mit Steuervorteil§ 4, § 10 HundeG
Thüringeneinzelfallfestgestellte Hunde; freiwillig mit Steuervorteil§ 5 ThürTierGefG

Rasselisten verschwinden nach und nach

Drei Länder haben ihre Rasselisten inzwischen abgeschafft: Thüringen 2018, Mecklenburg-Vorpommern 2022 und Brandenburg zum 1. Juli 2024. Dort entscheidet nur noch das Verhalten des einzelnen Hundes über seine Einstufung. Viele Ratgeber im Netz führen diese Listen weiterhin, weil sie voneinander abschreiben.

Niedersachsen: Pflicht für alle seit 2013

Niedersachsen ist das Land mit der längsten Erfahrung. Wer hier ab dem 1. Juli 2013 eine Hundehaltung aufgenommen hat, muss die Sachkunde nachweisen, unabhängig von Rasse und Größe. Eine Rasseliste gibt es nicht.

In § 3 Absatz 1 des Niedersächsischen Hundegesetzes heißt es: „Wer einen Hund hält, muss die dafür erforderliche Sachkunde besitzen. Sie ist der Gemeinde auf Verlangen durch die erfolgreiche Ablegung einer theoretischen und einer praktischen Sachkundeprüfung nachzuweisen.“ Die Theorie ist vor Aufnahme der Haltung fällig, die Praxis im ersten Jahr danach.

Wie das konkret abläuft, welche Fragen kommen und wer befreit ist, steht im Ratgeber zum Hundeführerschein in Niedersachsen.

Nordrhein-Westfalen: Es geht um Größe oder Gewicht

NRW ist das einzige Bundesland, das die Sachkunde an die Maße des Hundes knüpft. Und hier passiert der häufigste Fehler in Ratgebertexten: Viele schreiben, ein großer Hund müsse 20 Kilogramm wiegen und 40 Zentimeter Widerristhöhe haben.

Im Gesetz steht etwas anderes. § 11 Absatz 1 LHundG NRW formuliert: „Die Haltung eines Hundes, der ausgewachsen eine Widerristhöhe von mindestens 40 cm oder ein Gewicht von mindestens 20 kg erreicht (großer Hund), ist der zuständigen Behörde von der Halterin oder vom Halter anzuzeigen.“

Ein Oder statt eines Und. Damit fällt praktisch jeder mittelgroße Hund darunter, vom Labrador bis zum Australian Shepherd. Wer sich auf die Und-Lesart verlässt, meldet seinen Hund möglicherweise nicht an. Bußgelder reichen in NRW bis 100.000 Euro.

Eine Besonderheit gibt es beim Verfahren: NRW verlangt kein Praxisexamen mit Hund, sondern ein Fachgespräch mit der beamteten Tierärztin oder ein vergleichbares schriftliches Verfahren. Wiederholen darfst du nur einmal, und das soll innerhalb von zwei Monaten passieren.

Bremen: neu seit Juli 2026

Bremen ist das zweite Land mit einer Pflicht für alle Halter, und die Regelung ist frisch. Das Bremische Gesetz über das Halten von Hunden wurde im Juni 2025 beschlossen, der entscheidende § 3 ist zum 1. Juli 2026 in Kraft getreten.

Der Ablauf entspricht dem niedersächsischen Modell: Theorieprüfung vor der Anschaffung, Praxisprüfung im ersten Jahr. Wer schon vor dem Stichtag einen Hund hielt, ist nur betroffen, wenn der Hund als gefährlich gilt oder zu den Listenrassen zählt, und hat dafür bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Der Bußgeldrahmen reicht bis 50.000 Euro.

Wie läuft die Sachkundeprüfung ab?

Das hängt vom Bundesland ab, aber ein Muster wiederholt sich. Meist gibt es einen theoretischen Teil mit Fragen zu Verhalten, Haltung, Erziehung und Recht, dazu einen praktischen Teil im Alltag.

Deutscher Schäferhund beim Training Envato
Beim Praxisteil zeigst du, dass du deinen Hund im Alltag im Griff hast.

In Niedersachsen besteht die Theorie aus 35 Single-Choice-Fragen. Wichtig dabei: Auch wenn du sie am Bildschirm beantwortest, muss ein Prüfer anwesend sein. Eine reine Onlineprüfung von zu Hause aus ist nicht rechtskonform, egal was manche Anbieter versprechen.

Der Praxisteil dauert etwa eine Stunde und findet an drei Orten statt, von der ruhigen Umgebung über einen Freilaufbereich bis in den Straßenverkehr.

Person läuft mit Hund in der Stadt Envato · ThamKC
Ein Teil der Praxisprüfung findet im Straßenverkehr statt.

Meinen Theorieteil habe ich damals in der örtlichen Hundeschule gemacht. Zwei Fragen zu Rassekenntnissen habe ich geraten und trotzdem bestanden, weil die Schwelle bei achtzig Prozent liegt.

In Mecklenburg-Vorpommern nimmt die Kreisordnungsbehörde die Prüfung ab, die Gebühr liegt zwischen 50 und 130 Euro. Im Saarland läuft es zweistufig: erst ein anerkannter Lehrgang mit Theorie und Praxis, danach der Nachweis gegenüber einer von der Tierärztekammer benannten Person.

Gilt der Sachkundenachweis lebenslang?

Hier lohnt genaues Hinsehen, weil die Länder zwei völlig unterschiedliche Modelle fahren.

In Niedersachsen hängt die Sachkunde an der Person. Du legst die Prüfung einmal ab, und sie gilt für dich, auch für spätere Hunde. Familienmitglieder ohne Halterstellung brauchen keinen eigenen Nachweis.

In Rheinland-Pfalz, Thüringen und Schleswig-Holstein ist es umgekehrt. Dort gilt der Nachweis nur für den Hund, mit dem geprüft wurde. Das rheinland-pfälzische Gesetz formuliert das unmissverständlich: „Er gilt für die Halterin oder den Halter nur in Verbindung mit dem Hund, mit dem die Sachkundeprüfung abgelegt worden ist.“ Beim nächsten Hund musst du also noch einmal ran.

Ein Sonderfall betrifft Niedersachsen trotzdem: Wird dein Hund als gefährlich eingestuft, ist die praktische Prüfung mit genau diesem Hund erneut abzulegen.

Wer ist von der Pflicht befreit?

Niedersachsen hat die großzügigsten Ausnahmen. Nach § 3 Absatz 6 NHundG brauchst du keinen Nachweis, wenn du in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre ununterbrochen einen Hund gehalten hast. Ebenfalls befreit sind Tierärztinnen und Tierärzte, Inhaber einer Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde, Diensthundebetreuer und Halter von Blindenführ- oder Behindertenbegleithunden.

Dazu erkennt das Land eine ganze Reihe von Verbandsprüfungen an, darunter den BHV-Hundeführerschein der Stufen 1 und 2, den D.O.Q.-Test 2.0 sowie die Prüfungen von IBH, BVZ, DHVE und IUH. Die vollständige Liste führt das LAVES in seiner FAQ zum NHundG.

NRW ist deutlich strenger. Befreit sind dort nur Tierärzte, Jagdscheininhaber, Inhaber einer Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz, Polizeihundeführer und anerkannte Sachverständige. Eine Ausnahme für langjährige Halter kennt das Landeshundegesetz nicht.

Lohnt sich der Nachweis auch ohne Pflicht?

In einigen Kommunen ja, weil sie freiwillige Sachkunde über die Hundesteuer belohnen. Zwei Bundesländer haben diese Möglichkeit sogar ausdrücklich ins Gesetz geschrieben: Schleswig-Holstein in § 4 Absatz 4 HundeG und Thüringen in § 5 Absatz 5 ThürTierGefG. Umgesetzt wird sie jeweils durch die kommunale Satzung.

Belegte Beispiele aus der Praxis: München stellt Halter mit bestandenem Hundeführerschein für ein Jahr steuerfrei, Mannheim sogar für zwei Jahre. Nürnberg gewährt einmalig 50 Euro Ermäßigung, Wiesbaden befreit auf Antrag ganz, nimmt Listenhunde davon aber aus.

Berlin, Bremen und Hamburg schließen einen solchen Vorteil auf Landesebene aus. Die Berliner Senatsverwaltung stellt zu den Befreiungstatbeständen ausdrücklich fest, die Aufzählung sei abschließend.

Prüfe die Regeln deiner Gemeinde

Die Hundesteuer ist überall eine Gemeindesteuer. Ob es bei dir eine Ermäßigung gibt, steht in der Hundesteuersatzung deiner Stadt, nicht im Landesgesetz. Und wenn du umziehst, gilt das Recht deines neuen Wohnorts, auch mitten im Jahr.

Häufige Fragen zum Sachkundenachweis

Brauche ich als Ersthalter überall einen Sachkundenachweis?

Nein. Eine bundesweite Pflicht gibt es nicht. Von allen Haltern verlangen ihn nur Niedersachsen (seit 1. Juli 2013) und Bremen (seit 1. Juli 2026). In Nordrhein-Westfalen hängt die Pflicht an der Größe oder am Gewicht des Hundes, in allen übrigen Bundesländern an der Gefährlichkeit oder an der Rasse.

Ist ein Sachkundenachweis dasselbe wie ein Hundeführerschein?

Nein, auch wenn die Begriffe oft gleichgesetzt werden. Der Sachkundenachweis ist eine behördliche Anforderung aus dem Landesrecht. Der Hundeführerschein ist eine freiwillige Prüfung von Verbänden wie VDH, BHV oder BVZ. Manche Bundesländer erkennen bestimmte Verbandsprüfungen allerdings als Sachkundenachweis an, Niedersachsen zum Beispiel den BHV-Hundeführerschein der Stufen 1 und 2.

Ab welcher Größe brauche ich in NRW einen Sachkundenachweis?

Ab einer Widerristhöhe von 40 Zentimetern oder einem Gewicht von 20 Kilogramm, jeweils bezogen auf den ausgewachsenen Hund. Es reicht also aus, dass eines der beiden Kriterien zutrifft. Viele Ratgeber geben das falsch als Und-Verknüpfung wieder. Maßgeblich ist § 11 Absatz 1 des Landeshundegesetzes NRW.

Kann ich den Sachkundenachweis online machen?

Die theoretische Prüfung kann am Bildschirm stattfinden, aber nicht unbeaufsichtigt zu Hause. In Niedersachsen muss ein Prüfer anwesend sein, sonst ist die Prüfung nicht rechtskonform. Anbieter, die einen vollständig ortsunabhängigen Nachweis versprechen, solltest du kritisch prüfen. Die praktische Prüfung findet ohnehin immer vor Ort statt.

Gilt der Sachkundenachweis auch für meinen nächsten Hund?

Das kommt auf das Bundesland an. In Niedersachsen hängt die Sachkunde an der Person und gilt damit auch für spätere Hunde. In Rheinland-Pfalz, Thüringen und Schleswig-Holstein ist der Nachweis dagegen an den geprüften Hund gebunden, dort ist beim nächsten Hund eine neue Prüfung fällig.

Was passiert, wenn ich in ein anderes Bundesland ziehe?

Es gilt das Recht deines neuen Wohnorts. Ziehst du nach Niedersachsen oder Bremen, kann die Gemeinde den Nachweis verlangen, auch wenn du deinen Hund vorher jahrelang anderswo gehalten hast. Umgekehrt erkennen viele Länder Bescheinigungen aus anderen Bundesländern an, in NRW ist das in § 14 des Landeshundegesetzes ausdrücklich vorgesehen.

Was kostet der Sachkundenachweis?

Das unterscheidet sich stark. In Niedersachsen beginnen die Gebühren bei etwa 40 Euro je Prüfungsteil, in Mecklenburg-Vorpommern liegt die Gebühr der Kreisordnungsbehörde zwischen 50 und 130 Euro. Dazu können Kosten für freiwillige Vorbereitungskurse kommen. Verbindliche Auskunft gibt die zuständige Gemeinde oder Kreisordnungsbehörde.

Hast du den Sachkundenachweis schon gemacht, oder bist du gerade dabei? Schreib gerne in die Kommentare, wie die Prüfung in deinem Bundesland abgelaufen ist.

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