Der Rückruf entscheidet darüber, ob dein Hund Freilauf bekommt oder nicht. Er ist gleichzeitig das Kommando, das am häufigsten kaputtgeht. Wer den Rückruf trainieren will, arbeitet bei den meisten Hunden nicht auf einem leeren Blatt, sondern auf einem Wort, das schon eine Vorgeschichte hat.
Bei meiner Shiba-Inu-Hündin Kiwi hat es rund zwei Jahre gedauert, bis ich mich draußen wirklich auf sie verlassen konnte. Ein Labrador aus derselben Welpengruppe konnte es nach vier Monaten. Beide Halter haben ungefähr dasselbe gemacht.
Hier findest du den Aufbau in fünf Schritten, den richtigen Umgang mit der Schleppleine, den teuersten Fehler und die Frage, was du tun kannst, wenn dein Hund auf das Wort gar nicht mehr reagiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Nie schimpfen, wenn er ankommt: Dein Hund verknüpft den Ärger mit dem Zurückkommen, nicht mit dem Weglaufen davor.
- Rückruf heißt nicht Feierabend: Wenn das Wort nur fällt, wenn es nach Hause geht, rechnet dein Hund das schnell nach.
- Belohnung muss die Ablenkung schlagen: Trockenfutter reicht am Waldrand nicht. Nimm etwas, das es sonst nie gibt.
- Schleppleine: Absicherung für die Übergangszeit, kein Werkzeug zum Heranziehen.
- Verbrauchtes Wort ersetzen: Ein Signal, das folgenlos geblieben ist, lässt sich schlecht reparieren. Ein neues aufzubauen geht schneller.
- Rasse einplanen: Jagdlich motivierte und nordische Rassen brauchen länger. Bei manchen bleibt der sichere Freilauf dauerhaft schwierig.
Warum der Rückruf so oft kaputtgeht
Fast alle Rückrufprobleme entstehen über drei Wege, und keiner davon hat mit dem Charakter des Hundes zu tun.
- Rufen ohne Konsequenz: Das Wort fällt fünfmal, nichts passiert, der Hund schnüffelt weiter. Nach ein paar Wochen ist es Hintergrundgeräusch.
- Rückruf als Schlusssignal: Gerufen wird nur am Ende der Runde, danach kommt die Leine dran. Dein Hund lernt, dass das Wort den Spaß beendet.
- Schimpfen beim Ankommen: Der Hund trottet nach fünf Minuten zurück und wird angeschnauzt.
Der dritte Punkt ist der teuerste. Hunde verknüpfen das, was unmittelbar vorher passiert ist, und das war in diesem Fall das Ankommen bei dir. Wer seinen Hund für spätes Zurückkommen maßregelt, bringt ihm bei, beim nächsten Mal noch länger draußen zu bleiben.
Rückruf trainieren in fünf Schritten
- Neues Wort festlegen: Kurz und im Alltag ungebräuchlich. „Hier“ ist bei den meisten Haushalten schon verbraucht, weil es ständig nebenbei fällt.
- Drinnen anfangen: Wort sagen, wenn dein Hund ohnehin gerade zu dir kommt, und sofort belohnen. Erst wenn das steht, gehst du raus.
- Jackpot statt Standardleckerli: Käse, Leberwurst, gekochtes Hähnchen. Etwas, das ausschließlich für den Rückruf reserviert ist.
- Distanz und Ablenkung getrennt steigern: Erst größerer Abstand auf leerem Feld, dann kurze Distanz mit anderen Hunden in Sichtweite. Nicht beides zusammen.
- Folgenlos üben: Ruf deinen Hund mehrmals pro Runde, belohne, und schick ihn danach wieder los. Zehnmal ohne Konsequenz für einmal Leine anlegen.
Am letzten Punkt entscheidet sich, ob der Rückruf hält. Ein Hund, der gelernt hat, dass auf das Wort meistens nichts Unangenehmes folgt, kommt auch dann, wenn es ausnahmsweise doch Richtung Auto geht.
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Die Schleppleine als Übergangslösung
Die Schleppleine überbrückt die Phase, in der du deinem Hund noch nicht trauen kannst, ihm aber trotzdem Bewegungsfreiheit geben willst. Fünf bis zehn Meter reichen für die meisten Situationen.
- Immer ans Geschirr: Ein ruckartiger Stopp am Halsband trifft das Genick. Welche Bauform zu deinem Hund passt, steht in der Übersicht zum Hundegeschirr.
- Handschuhe tragen: Eine durchrutschende Schleppleine gibt bei voller Geschwindigkeit Verbrennungen an der Handinnenfläche.
- Nicht heranziehen: Die Leine sichert ab, sie holt nicht ein. Wer den Hund am Seil zu sich zieht, trainiert genau das Gegenteil.
- Nicht in der Hundegruppe: Zehn Meter Leine zwischen spielenden Hunden verheddern sich zuverlässig, und dann steht ein Bein in der Schlaufe.
Lass die Leine die meiste Zeit einfach schleifen und greif nur zu, wenn es wirklich nötig wird. Dein Hund soll den Unterschied zwischen gesichert und frei möglichst wenig spüren, sonst funktioniert der Rückruf später nur mit Leine am Geschirr.
Schleppleine für die Übergangszeit
Warum Elektroreizhalsbänder keine Abkürzung sind
Beim Rückruf taucht der Vorschlag mit dem Teletakt-Gerät regelmäßig auf, meist mit dem Argument, es gehe um die Sicherheit des Hundes an der Straße. Die Rechtslage ist hier eindeutig: § 2 Absatz 5 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet bei Ausbildung, Erziehung und Training von Hunden Stachelhalsbänder und andere für das Tier schmerzhafte Mittel.
Dazu kommt, dass der erhoffte Vorteil ausbleibt. Eine 2020 in Frontiers in Veterinary Science veröffentlichte Untersuchung von China, Mills und Cooper verglich Rückruftraining mit und ohne Elektroreizhalsband. Die Gruppen, die ausschließlich über Belohnung trainiert wurden, schnitten dabei nicht schlechter ab. Ich verlinke die Studie hier nicht, weil die Verlagsseite sich nicht zuverlässig abrufen lässt; über Autorennamen und Jahr findest du sie problemlos.
Wenn das Wort schon verbraucht ist
Ein Signal, das über Monate folgenlos geblieben ist, lässt sich nur schwer aufwerten. Schneller geht es mit einem neuen Wort, das du von Anfang an sauber aufbaust. Das alte darf danach nie wieder in dieser Bedeutung fallen, sonst hängen beide Signale zusammen.
Eine Trillerpfeife ist für viele Halter die bessere Wahl als die eigene Stimme. Sie klingt jedes Mal gleich, trägt bei Wind deutlich weiter und verrät deinem Hund nicht, wie genervt du gerade bist. Genau dieser Tonfall ist der Grund, warum viele Hunde beim dritten Rufen langsamer werden statt schneller.
Warum es bei Kiwi zwei Jahre gedauert hat und beim Labrador vier Monate, kann ich bis heute nicht sauber beantworten. Shiba Inus gelten im Freilauf als schwierig, das ist die bequeme Erklärung. Ob sie stimmt, weiß ich nicht.
Wann Freilauf tabu bleibt
Solange der Rückruf nicht sicher sitzt, gehört dein Hund an Straßen, Bahngleisen, in Wildschutzgebieten und während der Brut- und Setzzeit an die Leine. In vielen Bundesländern gilt zwischen März und Juli ohnehin eine Anleinpflicht im Wald, die Regelungen unterscheiden sich allerdings deutlich. Erkundige dich bei deiner Gemeinde, was vor Ort gilt.
Fazit
Der Rückruf ist kein Kommando, das man einmal beibringt und dann abhakt. Er lebt davon, dass er regelmäßig ohne Konsequenz geübt und gut bezahlt wird, über Jahre hinweg. Wenn du nur eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann die, dass Schimpfen beim Ankommen den Fortschritt von Wochen kostet.
Wo der Rückruf in die Reihe der übrigen Signale gehört, steht in der Übersicht zu den Hundekommandos. Wie du das Belohnen so aufbaust, dass es trägt, findest du bei der positiven Bestärkung, den Gesamtablauf im Überblick zur Hundeerziehung. Für entspanntes Laufen an der Leine gibt es die Leinenführigkeit.
Häufige Fragen zum Rückruf
Wie lange dauert es, bis der Rückruf sitzt?
Das schwankt stark. Ein leichtführiger Hund kann nach wenigen Monaten zuverlässig kommen, bei jagdlich motivierten oder nordischen Rassen dauert es häufig ein bis zwei Jahre. Ein Teil der Hunde erreicht im Freilauf nie hundertprozentige Sicherheit.
Mein Hund kommt nur, wenn er gerade Lust hat. Was kann ich tun?
Meistens steckt ein verbrauchtes Signal dahinter. Bau ein neues Wort oder einen Pfiff auf, sichere die Übergangszeit über eine Schleppleine ab und zieh die Belohnung deutlich hoch.
Welche Belohnung eignet sich für den Rückruf?
Etwas, das dein Hund sonst nie bekommt. Käse, Leberwurst oder gekochtes Hähnchen setzen sich gegen einen interessanten Geruch durch, das übliche Trockenfutter meistens nicht.
Wie lang sollte eine Schleppleine sein?
Fünf bis zehn Meter decken die meisten Trainingssituationen ab. Kürzere Leinen geben zu wenig Spielraum, deutlich längere verheddern sich ständig und sind kaum noch zu überblicken.
Ist eine Pfeife besser als die Stimme?
Für viele Halter ja. Der Pfiff klingt jedes Mal identisch, trägt weiter und transportiert keinen Tonfall. Gerade Halter, die schnell ungeduldig werden, fahren damit besser.
Darf ich schimpfen, wenn mein Hund erst nach Minuten kommt?
Nein. Dein Hund verbindet die Reaktion mit dem, was er unmittelbar davor getan hat, also mit dem Zurückkommen. Belohne auch den späten Rückruf und arbeite an den Schritten davor.
Sind Elektroreizhalsbänder zum Rückruftraining erlaubt?
§ 2 Absatz 5 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet bei Ausbildung, Erziehung und Training von Hunden schmerzhafte Mittel. Unabhängig davon zeigen Untersuchungen zum Rückruftraining keinen Vorteil gegenüber rein belohnungsbasiertem Vorgehen.
Welche Hunde lernen den Rückruf besonders schwer?
Rassen mit ausgeprägtem Jagdverhalten wie Terrier, Windhunde und viele Jagdhunde sowie nordische Rassen wie Husky oder Shiba Inu. Bei ihnen konkurriert der Rückruf mit einem sehr stark belohnenden Verhalten.

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